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Spaß, Spannung und Siege
Geisenhausener Kickboxer nahmen sehr erfolgreich am Bestfighter Worldcup in Rimini teil.
Erster Tag, Mittwoch, der 2.6.2010. Sechs Kämpfer und zwei Betreuer trafen sich zu früher Morgenstunde, um die Fahrt nach Rimini anzutreten. Nach der Ankunft um ca. 12Uhr im Hotel, welches allen gleich auf den ersten Blick gefiel, wurden Zimmer bezogen und ein erster Ausflug zum Strand unternommen, welcher in lustigem Badespaß ausartete. Am späten Nachmittag wurde noch Beachvolleyball gespielt und eine Trainingseinheit auf dem Hoteldach absolviert. Das Abendessen fiel spärlich aus, da allgemeine Panik herrschte, ob auch jeder auf der Wettkampfwaage sein Gewicht haben würde. Erschöpft fiel um ca. 23.30 jeder in sein Bett.
Zweiter Tag, Donnerstag, der 3.6.2010. Rimini begrüßte unsere Kickboxer erstmal mit ein paar heimatlichen Regentropfen. Die pflichtbewussten Sportler nutzten die Zeit, um auch ihre schulischen Aufgaben nicht zu vernachlässigen. Außerdem spielten sie Karten („Biligretto“). Zusammen mit der Sonne wagten sich nachmittags die hungrigen KSV’ler auf die Straße. Die leeren Mägen trieben sie zu einer waghalsigen Fahrradfahrt durch den Italienischen Verkehr. Ziel war die Wettkampfwaage im Stadio 105 in Rimini. Diese war jedoch offiziell noch nicht zugänglich und die Organisatoren des Turniers ließen die sechs ausgehungerten Vertreter der deutschen Farben wahre italienische Gastfreundschaft spüren; die Waage, welche 5 Meter entfernt funktionsbereit am Boden lag, blieb und verwehrt. So kam es, dass die Geisenhausener unverrichteter Dinge wieder den Rückweg auf den klapprigen Fahrrädern antraten. Nach wohlbehaltener Rückkunft im Hotel entschlossen sie sich, ihr Gewicht in einer Apotheke zu überprüfen. Selbst die Waage dort kostete pro Person 50Cent. Beruhigt, da jeder sein Gewicht hatte, verbrachten die jungen Sportler den restlichen Tag am Strand und machten sich abends erneut zum offiziellen Wiegetermin auf zur Halle. Ein ausgiebiges Abendessen schmeckte allen ausgezeichnet.
Dritter Tag, Freitag, der 4.6.2010. Da einer der Sportler wegen seines Vollkontaktstarts zur ärztlichen Untersuchung nochmal in die Halle musste, machten sich 3 der 6 Sportler nochmal mit dem Fahrrad auf den gefährlichen Weg zum Stadio 105. Wieder am Hotel angekommen stießen auch die 3 Radfahrer wieder zum Rest der Truppe. Bis es um 2 Uhr Nachmittags erneut, und diesmal zum kämpfen, in die Halle ging ruhte man sich noch in der Sonne am Strand aus.
Dritter Tag, Freitagnachmittag, es wird ernst. Kian Golpira von Martial Arts München, ein gerngesehener Gast im Geisenhausener Team war der erste Kämpfer. In seiner Vollkontaktklasse -60kg bekam er es mit einem 30 jährigen Kämpfer aus dem polnischen Nationalteam zu tun. Kian machte einen schönen Kampf, beendete auch die erste Runde mit einem Unentschieden, musste sich jedoch am Ende geschlagen geben. Bundestrainer und der Kämpfer selbst waren aber zufrieden und es bestand kein Grund für schlechte Laune.
Zwei Semikontaktlerinnen, Katharina Flieser und Johanna Brunnbauer, hatten am selben Tag noch einen Start im Teamfight vor sich. Johanna startete mit einem Juniorenteam für Deutschland und Katharina trat für das Top Ten Team Germany II bei den Erwachsenen an. Für beide lautete der Gegner das Bestfighterteam aus Italien. Bei den Junioren verliefen die Kämpfe der vier Teammitglieder jeweils sehr eng. Und ungerecht. Italiener in Italien zu schlagen scheint schier ein Ding der Unmöglichkeit. Den Bestfightern gelang es nämlich, ihr aus vier Mitgliedern bestehendes Team um drei Kampfrichter zu erweitern. Deutschland schied aus. Auch bei Katharina lief es ähnlich. Schon vor dem Kampf sorgten die Italiener, die wohl eingeschüchtert vom starken gegnerischen Top Ten Team waren, für Probleme. Einer der Teamkämpfer, Robert Knödlseder, der später seine Klasse gewinnen sollte, war schon vor dem Kampf mit dem zweiten Top Ten Team im ersten Team gestartet. Darüber beschwerten sich die Bestfighter und Robert wurde der Start versagt. Es musste ein Ersatzkämpfer her. Nichts lag näher – und außerdem blieb keine andere Möglichkeit – als Vollkontaktler Kian Golpira ganz spontan ins Team zu berufen. Völlig unvorbereitet auf einen Semikontaktkampf schlug er sich wacker, punktete mit gekonnten (semikontaktfremden) Techniken und schaffte es sogar, das Team mit einem Rückstand von nur fünf Punkten im Rennen zu halten. Die drei restlichen Top Ten Kämpfer konnten sich jedoch nicht mehr durchsetzen, mussten ebenfalls einige fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen hinnehmen und unterlagen am Ende knapper als vermutet.
So ging der erste Tag zwar weniger erfolgreich zu Ende, aber jeder der Kämpfer hatte eine Menge Spaß und alle freuten sich schon auf die Einzelklassen am Samstag.
Vierter Tag, Samstag der 5.6.2010. Nach ausgewogenem Frühstück begab sich die Kampfmannschaft mit großer Vorfreude in die Halle. Dort angekommen traf man viele bekannte Gesichter, die Poollisten wurden genau unter Augenschein genommen und relativ zügig begannen die Kämpfer, die die ersten Kämpfe auszutragen hatten mit dem Aufwärmen. Das Turnier ging jedoch dann erst mit zwei Stunden Verzögerung los. Lisa Maria Schandl war die erste Kämpferin des KSV. Sie besiegte deutlich ihre ersten beiden Gegnerinnen in der Klasse -42kg und zog glücklich und verdientermaßen ins Halbfinale ein. Dort stand sie einer starken, erfahrenen Kroatin gegenüber, schlug sich wacker, verlor letzten Endes aber fair und hatte sich so auf den dritten Platz gekämpft. In ihrer zweiten Gewichtsklasse -47kg konnte sie sogar drei Kämpfe für sich entscheiden. Lisa schickte dank starker Beinarbeit und überlegter Kampfweise zwei Italienerinnen und eine Kroatin in die Wüste. Lisa zog ins Finale ein! Hier musste sie jedoch den Sieg einer italienischen Kämpferin überlassen. Dennoch darf Lisa stolz auf ihre großartige Leistung sein.
Die zweite Vertreterin der Geisenhausener Farben war Katharina Flieser. Zunächst stand die Klasse der Damen -60kg auf dem Programm. Katharina stand einer erfahrenen Italienerin gegenüber. Diese hatte jedoch von Beginn an Probleme damit, zu ihrem Kampfstil zu finden, da Katharina erfolgreich versuchte, den Kampf zu dominieren. Der Sieg ging knapp nach Geisenhausen. Im Anschluss kämpfte Katharina gegen eine körperlich überlegene Norwegerin. Katharina fand leider kein Mittel gegen die Reichweite ihrer Gegnerin und musste sich geschlagen geben. Ohne Pause ging es gleich weiter, mit der Klasse der Juniorinnen -60kg. Hier sah sie sich einer außerordentlich starken irischen Nationalkämpferin gegenüber. Sie war die überlegene Kämpferin und Katharina schied auch in dieser Klasse leider früh aus. Die Irin gewann später nicht nur diese Klasse, sondern auch die die klasse -65 kg und holte außerdem den 2. Platz in der Damenklasse -60 kg.
Fast zeitgleich durfte als nächte Geisenhausener Kämpferin Katharinas Schwester Caro ran. Sie kämpfte in der older cadets Klasse -55 kg. Als erstes galt es eine gute Niederländerin zu schlagen, das jedoch bereitete Caro keine Probleme und somit zog sie ins Viertelfinale ein. Da dort die Gegnerin eine Italienerin war befürchtete man schon ein verschaukeltes Urteil, doch man fürchtete zu früh auch die Italienerin bereitete ihre keine Probleme, da Caro sie immer mit ihren starken Stoppkicks auspunkten konnte. Der Einzug ins Halbfinale bereitete bei dem gesamten Team große Freude. Gegen die Kroatin konnte sie sich allerdings nicht durchsetzen, aber ein 3. Platz auf einem Worldcup war Belohnung genug für hervorragende Leistungen, das fand Caro auch und freute sich über den Platz auf dem Treppchen.
Darauffolgend war Johanna Brunnbauer an der Reihe. Johanna ging sehr motiviert in den ersten Kampf bei den Juniorinnen -65kg und zeigte von Anfang an, dass sie den Kampf gewinnen wollte. Sie setzte immer wieder schön die Fäuste nach druckvollen Kicks nach und bezwang so nicht nur ihre erste Gegnerin aus Italien, sondern auch im anschließenden Viertelfinale eine Bulgarin. Ihre Halbfinalgegnerin war Shauna Bannon aus Irland, gegen die auch schon Katharina verloren hatte. Johanna hatte aus Katharinas Kampf gelernt, hielt hervorragend stand, doch unterlag am Ende dennoch den sehr konsequenten und explosiven Techniken der Irin. Doch kein Grund zum Missmut – Johanna hatte sich bereits einen dritten Platz gesichert. Deshalb trat sie guter Dinge ihre Kämpfe in der Klasse +65kg an. Dänemark und Italien wurden klar besiegt, da Johanna immer mehr Routine gewann und im Kopf kühl blieb. Auf diese Weise konnte Johanna sogar ins Finale dieser Gewichtsklasse einziehen. Ihr stand eine Italienerin gegenüber – und einige Schiedsrichterentscheidungen. Einige Fehlentscheidungen ließen Coach und Kämpferin aufbrausen, die Lockerheit ging verloren und so konnte gegen Ende des Kampfes die Italienerin noch Punkte sammeln und den Sieg nach Italien holen. Johanna und ihr Coach waren letzten Endes aber mit dem zweiten Platz mehr als zufrieden.
Als letztes durfte nun auch Florit Shala zeigen was er drauf hat. Heiß auf seine Gegner ging er sogar fast ein bisschen übermotiviert in den ersten Kampf in der Klasse -47 kg. Nichts desto trotz konnte Florit diesen und auch den nächsten Kampf gegen jeweils Italienische Wettstreiter klar für sich entscheiden. Im Halbfinale hieß der Gegner dann Gabriele Lanzilao und war Weltmeister. Florit der auf dem Austrian Classics World Cup schon in beiden Klassen gegen genau diesen Italiener den Kürzeren zog, ging mit entsprechendem Respekt in diesen Kampf. Vielleicht hatte er sogar ein wenig zu viel Respekt, denn er konnte seine Fähigkeiten nicht richtig entfalten und musste sich somit mit einem starken 3. Platz zufrieden geben. In der Gewichtsklasse +47 kg Schlug Florit fast schon selbstverständlicherweise einen weiteren Italiener und musste diesmal schon im Viertelfinale gegen den Angstgegner ran. Auch dieses Mal schaffte Florit es nicht, mehr Punkte zu machen als der erfahrene Italiener und platzierte sich somit in dieser Klasse leider nicht. Trotzdem waren alle zufrieden mit Florits Leistung und auch hier war ein 3. Platz eine gelungene Belohnung für hervorragende Leistungen. Für Florit hieß es zwar ein weiteres Mal „Es gibt immer einen der besser ist“ aber wie es mit solchen sportlichen Weisheiten nun mal ist „vor dem Spiel ist nach dem Spiel“ und „ein Kampf dauert 90 minuten“ oder auch nicht, Florit hofft auf ein nächstes Zusammentreffen und will dann endlich gewinnen.
Alles in Allem ein Wirklich erfolgreicher Ausflug nach Italien für das Bayrische Team aus Geisenhausen, welches nicht nur spannende Kämpfe und schöne Erfolge erlebte sondern zusammen auch eine Menge Spaß hatte, nicht zuletzt beim „letzten Abendmal“. Der Abend zog sich bis spät in die Nacht und war erfüllt von viel Gelächter, man ließ die gemeinsame Zeit noch einmal Revue passieren und ein nächtlicher Strandspaziergang rundete den Aufenthalt in Rimini gebührend ab.
Schon nächste Woche steht die Deutsche Meisterschaft in Hamburg an. Das Turnier scheint nun, nach diesem Riesenevent, fast ein wenig klein, jedoch werden Trainer und Kämpfer ihre Gegner nicht unterschätzen, zumal die Juniorinnen wegen dem deutschen Regelwerk bei den Damen starten müssen, und werden alles daran legen, an die Erfolge aus Italien anzuknüpfen.
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